Altbürgermeister aus Wolsdorf meldet sich zu Wort - "Ein NEIN am 19. September!"

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"Liebe Siegburgerinnen und Siegburger, um es vorweg zu schicken: Ich bin nicht gegen Bürgerbegehren. Ich bin aber dagegen, dass Bürgerbegehren zum großen Teil aus Eigeninteressen missbraucht werden und dabei einer ganzen Stadt die Zukunft verbaut werden soll. Schon einmal, vor ca. 40 Jahren, befand sich Siegburg in einer fast gleichen Situation wie heute. Für den Kaufhof, gegen den sich viele Einzelhändler der Innenstadt aus fast den gleichen Gründen wie heute gegen die neue Einkaufsgalerie wandten, mussten das alte Heimatmuseum in einem denkmalgeschützten Haus an der Kaiserstraße und die erst zehn Jahre alte mit einer Stiftung der Eheleute Keller vom Siegwerk erbaute neue Stadtbücherei abgerissen werden. Fast alle Geschäftsleute, unterstützt von der gesamten Opposition im Stadtrat, waren gegen den Kaufhof. In einer Versammlung im Saal des Hotels 'Zum Stern' wurde ich ausgebuht und ausgepfiffen, wie es nie wieder in meinem Leben geschehen ist. Dazu vertrat ich auch noch die Einrichtung einer Fußgängerzone in Siegburg. 'Kriegerdenkmal' für den Kaufhof und 'Kriegerzone', so wurde damals von der Opposition im Stadtrat gespottet.
Liebe Siegburgerinnen und Siegburger: Stellen Sie sich bitte einmal vor: Es hätte damals ein Bürgerbegehren gegen den Abriss des alten Heimatmuseums und der fast neuen Stadtbücherei zur Verhinderung des Kaufhofs gegeben und die Wählerinnen und Wähler hätten diesem Begehren zugestimmt. (Die Gefahr ist immer gegeben, weil es ja meist edel und gerechtfertigt erscheint, wenn man aufgerufen wird, etwas 'Altes' zu bewahren). Auch mir und meinen Freunden hat es damals weh getan, dass für den Kaufhof diese beiden Gebäude und dazu noch das alte Metropol-Kino an der Kaiserstraße abgerissen werden mussten. Das Museum war sogar ein Gebäude, das unter Denkmalschutz stand. Aber wir haben damals wie heute für die einzige Chance geworben, die Stadt Siegburg als Einkaufsstadt in der Konkurrenz zu den umliegenden viel größeren Städten, vor allen Dingen Sankt Augustin mit seiner geplanten neuen Rieseneinkaufsmall, zu erhalten. Wäre der Kaufhof und die Fußgängerzone nicht gekommen, gäbe es in Siegburg kein C&A, gäbe es kein Wehmeyer, hätte es über Jahrzehnte nicht die unangefochtene Einkaufsstadt Siegburg in der Region gegeben. Ja, es geht noch weiter: Hätten damals das Heimatmuseum und die Stadtbücherei nicht abgerissen werden müssen, hätten wir auch heute nicht unser Humperdinckhaus als Stadtmuseum und eine der schönsten und besten Stadtbüchereien, die es im gesamten Rheinland gibt, beides Einrichtungen, auf die wir heute so stolz sind. Hätten damals unsere Gegner, die 'Altvorderen', obsiegt und nicht meine Freunde und ich, Siegburg wäre ein müdes Provinznest geblieben, ohne Flair, ohne die einmalige Symbiose zwischen Altem und Modernem.

Liebe Siegburgerinnen und Siegburger: Es ist fast ein Witz der Geschichte, dass die Personen, die damals gegen die Fußgängerzone waren, auch die sind, die heute gegen die Galerie antreten. Sie dürfen - auch diesmal - nicht gewinnen! Weil meine Freunde und ich mit Ihrer Unterstützung das 'Schöne Siegburg' aufbauen durften und weil sie mich mit immer größerer Mehrheit gefördert und schließlich zu Ihrem Bürgermeister gewählt haben, bitte ich Sie auch diesmal um Ihr Vertrauen. Auch der Kaufhof und die Fußgängerzone waren damals angeblich viel zu groß, auch der ICE und sein Bahnhof, die wir für uns nach Siegburg holen durften, passten angeblich nicht in unserer Stadt.

Liebe Siegburgerinnen und Siegburger, vertrauen Sie mir und meinem Freund und Nachfolger als Bürgermeister, Franz Huhn, und allen unseren Mitstreiterinnen und Mitstreitern bitte auch diesmal. Wie in der Vergangenheit, wollen wir für unser Siegburg nur das Beste. Dazu müssen wir uns gegen die Überängstlichen, zum Teil auch die Ewiggestrigen in unserer Stadt wieder einmal wehren und durchsetzen. Für den Bau einer neuen Einkaufsgalerie müssen wir das Rathaus abreißen, weil sonst nicht genügend Platz vorhanden ist. Von außen ist es mit seiner Waschbetonfassade doch wirklich kein schönes Haus in Siegburg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele geben soll, die an diesem Gebäude hängen und es unbedingt für erhaltenswert erachten. Natürlich muss der auch von der Bausubstanz her nicht mehr zeitgemäße Bau in der Innenstadt wieder neu erstehen, so wie damals die Stadtbücherei und das Museum, viel besser und zweckmäßiger und auch schöner. Bitte helfen Sie unserer schönen Stadt Siegburg, bitte helfen Sie mir und meinen Freunden und stimmen sie am 19. September beim Bürgerbegehren mit "Nein", d.h. für eine moderne neue Einkaufsgalerie in Siegburg und damit für den Abriss des alten und den Neubau des Rathauses.

Vielen lieben Dank
Ihr Altbürgermeister,
Ihr Rolf Krieger


21. Juli 2010 - 22:36 von Bernd -

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